Geschichte

Wer von Olten her kommend über den Hauenstein in Richtung Basel fährt und die imposante Felsbarriere, die vom Talgrund, dicht neben der Hauptstrasse aufragt, passiert hat, steht unversehens vor dem südlichen Dorfeingang von Buckten. Als zweitoberste Gemeinde im Homburgertal, liegt sie eingezwängt zwischen zwei steilen Talhängen am Fuße des Faltenjuras. Flurnamen und Funde deuten darauf hin, dass die Besiedelung hier schon in voralemannischer Zeit eingesetzt hat. Im Jahr 1323 ist das Dorf Butkon, später Buttikon und 1417 Butken genannt worden. Als erster namenbildender Siedler wird ein Buto (Bote) angenommen. Anno 1400 kam Buckten an die Stadt Basel und stand bis 1798 unter der Herrschaft der Landvogtei Homburg. Buckten besaß früher eine eigene Kapelle, welche aber nach der Reformation einging. Die Gemeinde war aber damals, und ist heute noch, der Kirche Rümlingen zugehörig. Das Homburgeramt besaß bereits im 16. Jahrhundert eine Schule, die 1624 zu einer obrigkeitlichen Debütantenschule erhoben wurde und sich in Buckten befand. Nach Geometer G.F. Meyer erscheint Buckten (Bugten) im 17. Jahrhundert als städtisch, geschlossener Ort, mit einem geräumigen Dorfplatz. Tatsächliche nahm es trotz seines kleinen Gemeindebannes unter den Talkdörfern eine bevorzugte Stellung ein. Dies lag hauptsächlich daran, dass es am Fuße des früher schon wichtigen Juraüberganges, dem Hauenstein, lag. Der Transitverkehr über diesen Pass, in der Nord-Süd-Richtung, wurde damals noch mit schweren Pferdewagen getätigt. Die Passstrasse, die alte wesentlich stärker als die neue, beginnt oberhalb des Dorfes spürbar zu steigen. Es erschien deshalb naheliegend, in Buckten, zusätzlich bis zur Passhöhe, Pferde vorzuspannen. Dass schon in jenen Zeiten auf dieser Strecke "allerhand los war", beweisen folgende aus dem Jahr 1823 datierten Zahlen:

So sind während 12 Monaten 17'326 Zugpferde mit Wagen in Buckten eingetroffen und verpflegt worden. Weitere 13'488 Pferde haben als Vorspann gedient, wobei zu bemerken ist, dass die gleichen Pferde den Weg natürlich mehrmals pro Jahr passiert haben. Dieser Betrieb hat sich sehr günstig auf das ansässige Gewerbe ausgewirkt.

Die Fuhrleute und Reisenden verlangten Unterkunft, Speis und Trank. Es soll in jener Zeit im Dorf sechs Wirtshäuser gegeben haben: Sonne, Mond, Sternen, Jäger, Has und Glas. Davon sind heute nur noch zwei Gasthäuser in Betrieb: Mond und Sonne. Auch das Handwerk kannte gute Zeiten. Der Schmied musste sich um die Pferde kümmern. Aber auch der Wagner, Sattler und Schuster, sowie der Schneider konnten profitieren.

Das Gemeindewappen von Buckten, Posthorn und Wagenrad, in den Farben der Homburg, gelb/schwarz, weist darauf hin, dass Buckten zur Zeit der Postillione eine wichtige Bedeutung hatte. Buckten war auch Zahlstelle für den Straßenzoll.

Interessant ist auch die Bevölkerungsentwicklung. Buckten soll im Jahr 1858 mit 438 Einwohnern die am dichtesten besiedelte Gemeinde im Kanton gewesen sein. Dies war der Höhepunkt und zugleich das Ende dieser Art Verkehrsentwicklung. Im Jahr 1858 ist die Eisenbahnlinie Sissach-Olten mit dem Hauensteintunnel eröffnet worden. Dieses Ereignis hat im Dorf eine fast schlagartige Veränderung herbeigeführt. Die Pferdewagen blieben plötzlich mehr und mehr weg. Der Verkehr hatte sich auf die Schiene verlagert. Das Dorf bekam eine Bahnhaltestelle. Dieser wirtschaftliche Aderlass hat sich auch sehr drastisch in der Bevölkerungsentwicklung ausgewirkt. In den folgenden dreißig Jahren ist die Einwohnerzahl bis auf 280 Seelen zusammengeschrumpft. Erst hundert Jahre später, im Jahre 1960, ist der Stand von 1858 wieder erreicht worden.

Ein Teil einer sehr alten Tradition hat sich bis in die Gegenwart halten können. Es ist die "Noh-Uffert z'Buckte". Sie zeugt davon, dass das Dorf schon früher eine gewisse zentrale Funktion auszuüben hatte. So hatte der Vogt von der Homburg jeweils am Sonntag nach Auffahrt in Buckten, auf dem Dorfplatz, die Aufgabe, die jungen Paare zivil zu trauen. Weiter hat er an diesem Tag und auf diesem Platz, unter freiem Himmel, über die fehlbaren Untertanen des Amtes Homburg Justiz geübt. Mancher ist an diesem Tag schweren Herzens nach Buckten gepilgert. Nach diesen Amtshandlungen gab es für das einfache Volk bei Musik, Tanz und Gesang ein fröhliches Fest. Wohl das einzige im Jahr. Der gemütliche Teil dieses Festes wird, wie oben erwähnt, noch heute als Volksfest mit Tanz, Schiessbuden- und Rummelplatzbetrieb alle zwei Jahre durchgeführt. Die Szene der "Noh-Uffert" auf dem Dorfplatz in Buckten ist in einem Theaterstück festgehalten und von einer Theatergruppe des Dorfes, bestehend aus dem Musikverein und seien Verwandten und Bekannten, eindrücklich gespielt worden. Es soll an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass in Buckten das Vereinsleben auf hoher Stufe steht. Die Blasmusik und der Chorgesang werden mit Eifer und Erfolg gepflegt. Ebenfalls gibt es einen Turn- und Schiessverein. Auch sind schon viele Volkstheater über die Bühne gegangen.

Erwähnung verdient das seit dem vorletzten Jahrhundert in den meisten Baselbieter Dörfern heimische Posamenten. Gemeint ist die Seidenbandweberei als Heimarbeit. In Buckten standen in der guten Zeit dieses Heimgewerbes bis sechzig Webstühle in den verschiedenen Häusern. Somit war ein großer Teil der Haushaltungen wirtschaftlich mehr oder weniger von den Basler "Seidenherren" abhängig. Die letzten Bandwebstühle sind erst 1975 außer Betrieb gesetzt worden. Heute finden die meisten Einwohner ihr Einkommen ausserhalb der Gemeindegrenzen.

Das Kulturland wird von sechs Landwirten bearbeitet. Die letzten zwanzig Jahre haben dem Buckter Dorfbild einschneidende Veränderungen beschert. Die Hauptstrasse ist vom Staat einer Korrektion unterzogen worden. Dabei mussten verschiedene alte Bauten weichen und der Bach ist verdeckt und fließt nicht mehr wie früher offen, unter vielen kleinen Brücken durchs Dorf.

Eine Mehrzweckhalle dient sportlichen, kulturellen und festlichen Tätigkeiten und Anlässen. Ein zweckmäßiges Schulhaus und Kindergarten sind gebaut worden. Im alten Schulhaus hat man die Gemeindekanzlei mit Sitzungszimmer und Kursräume mit Küche für die regionale Haushaltungsschule eingereichtet, und die angebaute, alte Scheune in Wohnungen umgebaut. Eine zeitgemäße Ortsplanung regelt seit Jahren die Bautätigkeit. Die Wasserversorgung ist im Rahmen eines regionalen Wasserwerkes sichergestellt. Weiter ist jedes Haus in Buckten am Abwassernetz angeschlossen. Alle diese Werke waren nur möglich dank den Steuereinnahmen während der Hochkonjunktur. Sie lassen sich nicht mehr mit dem Betrag vergleichen, der in einem sehr alten Steuerregister gefunden worden ist. Damals hatte die Gemeinde an Steuern pro Jahr nur Fr. 1'700.-- eingenommen. Wir nennen dies "Die gute, alte Zeit".


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